Oktober 2025 — Persönliches Wort von Pfr. Markus Saxer
Die Vergänglichkeit unseres Lebens wird uns im Herbst von der Natur eindrücklich vorgeführt. Wo eben noch Bienen Nektar sammelten, finden sich nur abgeerntete leere Felder und gut durchgejätete Blumenbeete, die auf die Neuanpflanzung im nächsten Frühling warten.
Wo im Freibad das pure Leben am Werk war, sind jetzt Bademeister und Handwerker dabei, die Anlage winterfest zu machen und dort, wo es Not tut, Reparaturen durchzuführen.
Der Glacestand wird vom Marroniverkäufer abgelöst und auch das Kirchenjahr geht zu Ende. Nur wird es bei uns nicht gerade ruhiger wenn das Kirchenjahr zu Ende geht, der Vergleich mit der Badi-Saison hinkt. Denn auf das Ende des Kirchenjahres mit dem Totengedenken vom Ewigkeitssonntag folgt schon eine Woche später der Start in die Adventszeit.
Im Freibad muss man ein paar Monate warten bis es wieder losgeht. Im Kirchenjahr dauert die Wartezeit nur eine Woche. Was bedeutet das nun? Ist die Zeit der Besinnung zwischen dem Ende des alten und dem Beginn des neuen Kirchenjahres nicht vielleicht sogar ein bisschen knapp?
Reicht eine Woche um über die Siege und die Niederlagen des letzten Jahres zu bedenken? Haben wir die Zeit, um an die Abschiede zu denken und zurückzublicken auf die Menschen, die neu in unser Leben gekommen sind.
Vielleicht brauchen wir den Mut, uns Zeit zu nehmen, um die Rückschau nicht auf einen Termin im Jahr zu beschränken, sondern öfters mal innezuhalten.
Ihnen allen eine gute Herbstzeit und schon jetzt einen frohmachenden Advent.
Pfarrer Markus Saxer
September 2025 — Persönliches Wort
Wieder da!
Nach meinem halbjährigen Weiterbildungsurlaub habe ich nun meine Arbeit in der Kirchgemeinde Kloten wieder aufgenommen. Ich möchte zunächst allen danken für den warmherzigen Empfang, den sie mir bereitet haben! Ungemein dankbar bin ich auch für die Zeit, die ich hatte, um meine Projekte zu verfolgen und vom Alltag etwas Abstand zu gewinnen.
Ein grosses Anliegen war es mir, mich nochmals mit Sinn und Relevanz der Predigtarbeit zu befassen. Warum Predigen? Meine Beschäftigung hat mich darin bestärkt, dass es weder ums Überreden noch ums Überzeugen geht. Denn Glaube ist etwas anderes als eine Überzeugung. Die darf ich haben, aber die sollen sich auch ändern dürfen. Wenn Glaube aber die Verbindung mit Gott ist, ist es nicht angemessen zu sagen: ich habe sie. Eher umgekehrt: Der Glaube soll mich ‚haben’, im Sinne von: Er soll mich in Verbindung mit Gott behalten. Dazu soll die Predigt ihren Beitrag leisten. Meine Überlegungen sind ein kleines Büchlein geworden, das hoffentlich bald gedruckt vorliegt.
Das zweite Projekt war der Besuch verschiedener Autobahnkirchen in Deutschland. Es ist interessant, zu sehen, wie sich Kirche „am Weg“ um Präsenz bemüht. Zu sehen sind dabei höchst unterschiedliche Bauwerke und Konzepte, von der dreisitzigen Kleinkapelle bis zum ausgewachsenen Gottesdienstraum für über hundert Personen. In meinem Bericht zum Weiterbildungsurlaub findet sich ein Fotorundgang durch die besuchten Gebäude.
Die dritte Aufgabe bestand in der Rekreation. Sie muss nicht ohne Ambitionen angegangen werden. Ich bin viel auf dem Velo gesessen, mit dem Saisonhöhepunkt „Säntis-Classic“, einer Volksrundfahrt von Weinfelden aus über die Schwägalp.
Nun freue ich mich aber, wieder in der Gemeinde zu sein!
Oliver Jaschke, Pfarrer
August 2025 — Persönliches Wort
Von Pfarrer Jürgen Wieczorek
Ein feiner Zauber im Sommeralltag
Die Autos warten. Die Ampel ist rot. Viel zu lange schon. Das nervt. Plötzlich springt von der Seite eine junge Frau auf die Strasse. In der Hand bunte Bälle. Sie beginnt zu jonglieren. Sie ist schnell, schlängelt sich elegant durch die Reihen der Autos. Sie weiss: zum Jonglieren hat sie genau 40 Sekunden Zeit. Dann noch 15 Sekunden, um ein wenig Geld zu einzusammeln. Dazu öffnen ein paar Fahrerinnen oder Fahrer die Fenster ihrer Autos und reichen Geld heraus. Andere geben nichts.
Verzaubernde Strassenkunst im Sommeralltag auf der Kreuzung, die ich während der Ferien in Bonn erleben durfte. Ein feiner Zauber während des Wartens. Bunte Bälle gegen das graue Einerlei. Farbenfrohes Lächeln gegen brummelige Gesichter. Jetzt wird die Ampel grün. Sonja muss sich beeilen. Noch steht sie auf der Kreuzung. Mit Geschick und Tempo eilt sie durch die Autoreihen zum Trottoir. Geschafft. In dieser Minute hat sie acht Euro bekommen und doppelt soviel freudiges Lächeln auf Gesichter gezaubert.
Diese Strassenkunst ist natürlich verboten, einerseits. Andererseits wird sie geduldet. Es ist noch nichts Schlimmes passiert. Nur genervte Autofahrer gibt es, die ihren Unwillen äussern. Worüber denn bloss?
Aber eben auch andere, die Beifall klatschen und gerne geben. Wie häufig im Leben ist etwas umstritten. Ja, es ist gefährlich, keine Frage. Aber es ist eben auch wie ein feiner Zauber. Die bleischwere Stimmung im Stau auf grauem Asphalt erhebt sich durch artistische Schwerelosigkeit und verzaubernde Poesie farbenfroher Bewegung. Als habe sich ein Zirkuszelt direkt neben mir aufgebaut und lächelt mir bezaubernd einladend zu.
Wir werden nicht aufgehalten, wenn wir es eilig haben. Wer will, kann unbeeindruckt weiterfahren. Doch wenn ich mich darauf einlasse, werde ich unverhofft ein wenig verzaubert, abgelenkt vom grauen Einerlei der Strasse. Diese Künstlerinnen und Künstler der Strassenkreuzung können etwas richtig gut. Es ist nichts, was die Wirtschaft voranbringt; es ist aber etwas, was mich leichter macht, luftiger, beschwingter, wie ein Engel - Zauberei?
Zauber macht mein Leben leichter, beschwingter. Wenn ich mich verzaubern lasse von artistischer Strassenkunst oder klangvoller Musik, dem Farbenspiel des Regenbogens oder Sonnenuntergang am Meer, einem aufmunternden Lächeln oder einem liebevollen Wort, dann wird mein Herz leichter. Manchmal schickt mir Gott überraschend einen Engel auf den Weg. Wenn ich mich im grauen Alltag verliere, wenn meine Gedanken still stehen, wenn sich meine Gefühle vor roten Ampeln eintrüben, dann ist er plötzlich da, an meiner Seite und lässt sich in einem Alltagszauber erkennen. Er bringt Farbe, Lächeln und neuen Schwung in mein Leben. Jesus jongliert mit trübem Wasser und serviert mir reinen Wein! (Siehe in der Bibel Johannes 2) Gott kennt besondere Wege, mich zu berühren und zu bewegen. Er schickt mir den Engel meiner Strassen und Staus und macht mein Leben leichter und mein Herz beschwingter. Gott sei Dank!
Jürgen Wieczorek, Familienpfarrer
Juli 2025 — Persönliches Wort
Von Pfarrer Markus Saxer
Liebe Leserinnen und Leser
Dieser Text erreicht Sie vom Termin her mitten in den Sommerferien. Viele von Ihnen werden ihn wohl finden, wenn Sie die angehäufte Post aus ihrer Ferienabwesenheit sichten. Es freut mich, wenn Sie dann die Zeit finden, ihn auch zu lesen. Da sind also Ferien aus denen Sie bereits zurück sind und, sollten Sie schulpflichtige Kinder haben, der Schulbeginn Mitte August ist bereits am Horizont zu erkennen. Vielleicht gibt es auch manchmal einen Seufzer, wie schnell doch die Ferienzeit vorbeigeht vom schulpflichtigen Teil der Familie. Es ist ein Neustart für unsere Kinder und Jugendlichen und das ist zum Einen schön, aber nicht immer ganz einfach. Besonders dann, wenn die Schulzeit zu Ende ist und der Eintritt ins Berufsleben ansteht.
Betrifft dieser Neustart nicht uns Erwachsene aber eben auch? Ist das nicht vielleicht sogar gut so? Im Sommer die Zeit nutzen um darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll, ob eine Veränderung angezeigt ist? Das ist ja keine schlechte Idee.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Gemeinde, nicht nur eine schöne und erholsame Sommerferienzeit, sondern auch den Freiraum, um über einen allfälligen Neustart nachzudenken.
Mit sommerlichen Grüssen aus dem Pfarrbüro.
Markus Saxer, Jugendpfarrer
Juni 2025 — Persönliches Wort
von Pfarrerin Lea Schuler
Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen verfasse, sind von meiner fünfmonatigen Stellvertretung schon drei Monate vergangen. Und wenn Sie sie dann lesen, wird der letzte Monat schon angebrochen sein.
Es ist für mich immer eine grosse Bereicherung, bei meinen Stellvertretungen ganz unterschiedliche Kirchgemeinden kennenzulernen. Jedes Mal, wenn mir von der Landeskirche eine neue Stellvertretung vorgeschlagen wird, ist das für mich ein bisschen wie eine Wundertüte. Und diesmal war in der Wundertüte wirklich viel Wunderbares!
Schon beim ersten Kennenlerntreffen fiel mir auf, wie belebt das Kirchgemeindehaus war, und ebenso das herzliche Miteinander von Gemeindemitgliedern, freiwillig Engagierten und Mitarbeitende. Und der erste Eindruck bestätigte sich während meines ganzen bisherigen Einsatzes bei Euch.
Beim Kirchenkaffee im Anschluss an die Gottesdienste, beim Zäme ässe – zäme rede, auf dem Seniorenausflug, bei den Kaffeepausen und dem gemeinsamen Zmittag mit den Mitarbeitenden lernte ich die Menschen der Kirchgemeinde schnell kennen und schloss sie ins Herz. Es ist schön, zu spüren, dass die Kirche für viele Menschen ein Ort ist, wo sie sich wohl und zu Hause fühlen.
Beeindruckt war ich natürlich auch vom Freiraum mit der Jurte, dem farbenfrohen Abenteuerspielplatz und der neu angelegten Kräuterspirale – umso mehr, als mir mein Pfarrkollege dann auch noch erzählte, wie all diese Elemente von ihm und engagierten Freiwilligen entworfen und zum Teil sogar eigenhändig gebaut wurden!
Da ich sehr gerne male und zeichne und eines meiner Hobbies das Urban Sketching ist, habe ich mir von Anfang an vorgenommen, diese wunderbaren Impressionen auch zeichnerisch festzuhalten.
Leider fand ich bisher dazu neben meinen pfarramtlichen Aufgaben weniger Zeit als ich ursprünglich gedacht hatte. Dafür fand ich aber Gleichgesinnte und so traf sich bis jetzt wenigstens ein paar Mal ein kleines Grüppchen zum Urban Sketching auf dem Kirchenareal. Bei einem solchen Treffen ist auch dieser Sketch entstanden.
Am 10. Juli 2025 wird es einen Jurte Special Anlass geben, wo alle Interessierten herzlich zum gemeinsamen Sketchen eingeladen sind!
Bei so vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen könnte mich der baldige Abschied fast ein wenig wehmütig stimmen. Es ist aber auch schön für mich, mit so vielen guten Erinnerungen im Gepäck zur nächsten Stellvertretung weiterzuziehen.
Ich bedanke mich bei allen Gemeindegliedern, Mitarbeitenden und der Kirchenpflege für die schöne Zeit bei Euch und wünsche Euch Gottes reichen Segen!
Herzlich, Ihre Lea Schuler
Mai 2025 — Heldenschmiede
von Jürgen Wieczorek, Familienpfarrer
Heldenschmiede - so lautete der Titel unser diesjährigen „Kinderwoche“. Vier Tage mit neugierig motivierten Kindern auf der Suche nach wahren „Helden“ in der Bibel und mitten in unserem Alltag. Ich habe auch so einen wunderbaren „Helden mitten im Leben“ gefunden, der gar nie Held sein wollte, sich nie als „Held“ fühlte und doch einer IST.
Vor fünf Jahren musste Reto seine Frau ins Pflegeheim bringen. Er konnte nicht mehr beides leisten: In der Bank arbeiten und seine kranke Frau pflegen. Dafür war er immer zu lange von zu Hause weg. Schweren Herzens und auf Anraten der Ärzte kam seine Frau auf die Pflegestation. Reto hat sie besucht, so oft wie möglich. Nach zwei Jahren starb seine Frau. Und Reto wusste nicht weiter…
Aber plötzlich wusste er doch weiter. Und ging jeden Tag, den der liebe Gott werden liess, auf die selbe Pflegestation. Erst als eine Art Mittagspause, seit zwei Jahren dann in seinem Ruhestand. Da hilft er – vor allem am Wochenende – bei der Essensausgabe, beim Essen anreichen, beim Abräumen und Säubern der Tische und Nachttische. Manchmal spielt er ein Spiel mit, liest jemandem etwas vor oder unterhält sich mit jemandem, auch mit Angehörigen. Reto macht das, wozu kaum ein anderer Zeit hat. Er selber nennt sich „Libero“ – also einer, der frei ist und Zeit hat für berührende Kleinigkeiten.
Wer heute Zeit hat für die Kleinigkeiten und einen liebevollen Blick auf die, denen gerade Kleinigkeiten riesige Freude ins Leben bringt, kann schnell zum Helden werden. Reto war immer da, vor allem am Wochenende. Er hatte Zeit und füllte sie mit kleinen Gesten und Taten. Er besorgte etwas, er benachrichtigte Angehörige, hatte offene Ohren, fuhr mal jemanden zum Arzt oder füllte Behördenbögen aus. Und eines Tages sagte jemand: Der Reto ist jetzt schon fünf Jahre hier. Stimmt, sagten andere; stimmt, sagte Reto etwas kleinlaut. Und man feierte ein Fest auf der Station. Reto, der Held der menschlich liebenswürdigen Kleinigkeiten.
Später fragte ihn jemand, warum er das denn das alles mache. Da antwortete Reto: Mich spornt mein Glaube an. Das verstand man nicht sofort. Darum ergänzte er noch: Menschen sollen füreinander da sein. Ich habe so viel Glück gehabt im Leben. Jetzt möchte ich etwas Glück für andere sein.
Das hätte Reto niemals von sich aus so gesagt. Aber die anderen hatten ja gefragt. Dann darf man auch sagen, was man glaubt. Reto glaubt an Gott. Und wer an Gott glaubt, sieht Menschen möglichst nicht als Gegner, sondern als Geschwister. Retos Glaube ist einfach. Menschen sollen füreinander da sein mit Sinn und Geschmack für liebevoll berührende Kleinigkeiten, die Glück ins Leben bringen. Darin ist Gott ganz nahe. Darin wirkt sein Geist lebendig in uns, durch uns und unter uns.
Frohe Pfingsten im Geist solch heldenhaften Glaubens wünscht Euch mit herzlichem Segensgruss!
April 2025 — Glocken
Markus Saxer, Pfarrer
Im Mai läuteten die Glocken!
Das ganz grosse Gedenken spielt sich in unseren Nachbarländern und in ganz Europa ab. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass vor 80 Jahren, am 8. Mai 1945 um 11.00 Uhr am Morgen und um 20.00 Uhr am Abend sämtliche Kirchenglocken läuteten, um das Ende des
2. Weltkrieges zu verkünden und zu feiern.
Die Schweizerinnen und Schweizer strömten in Scharen auf die Strassen und auf Plätze ihrer Städte und Dörfer, um das langersehnte Kriegsende zu feiern. Fünf Jahre lang war die Schweiz eingeschlossen. Erst im Herbst 1944 erreichte die französische 2. Armee die Schweizer Grenze in der Nähe von Porrentruy und der Ring der Achsenmächte war gesprengt. Die schweizerisch-italienische Grenze wurde durch die Amerikaner erst wenige Tage vor Kriegsende erreicht.
Die meisten noch lebenden Zeitzeugen haben diese Geschehnisse noch als Kindheitserinnerungen präsent, von denen die am Aktivdienst und an der Anbauschlacht teilgenommen haben, sind nur noch wenige am Leben.
Was uns Nachgeborenen bleibt, ist die Erinnerung an diese Zeit zu bewahren und das tiefe Gefühl der Dankbarkeit dafür, dass unser Land weitgehend verschont geblieben ist.
Aus heutiger Warte ist vielen unbekannt, dass
einige Begleiterscheinungen der Kriegszeit uns noch einige Zeit erhalten blieben. Die Rationierung von Fett und Mehl endete erst im Juli 1948.
Halten wir doch alle einen Moment inne um den Geschehnissen vor 80 Jahren zu gedenken und denken wir beim Läuten der Kirchenglocken auch einmal daran, dass wir dankbar sein dürfen, wenn die Glocken «nur» für den Gottesdienst läuten.
Hoffen wir zusammen, dass wir einen friedlichen Sommer erleben dürfen.
