Juni 2026 — Persönliches Wort von Pfarrer Oliver Jaschke
Zum Abschied aus Kloten
Wie die Zeit vergeht. Über elf Jahre lang war ich als Pfarrer in Kloten tätig. Zeit ist auch Gelegenheit, her-auszufinden, wofür man zu danken hat.
Als Erstes kommt mir der Einblick in den Sinn, den ich in das Leben älterer Menschen bekommen durfte. Ich empfinde ihn als Vorrecht, auch wenn es bedeutet, Anteil zu nehmen an körperlichen und seelischen Lei-den, mit denen ältere Menschen zu kämpfen haben. Die Begegnung mit ihnen war mir eine Schule, was alles zum Leben dazugehört.
Zugleich wurde mir bewusst, wie selektiv der öffentli-che Blick auf das Alter ist. Ältere Menschen sind sicht-bar, solange sie „junggeblieben“ und „aktiv“ sind. Was nicht in dieses Schema des Wünschbaren passt, ist schnell ausgeblendet. Durch meinen Beruf bin ich in „Areale“ gelangt, die oft „unsichtbar“ sind und denen ich sonst wohl ausgewichen wäre.
Um das, was ich höre und sehe, einzuordnen, helfen mir die Bibel und die theologische Arbeit: Von hier aus kommt Einspruch gegen ein Leben, das vorrangig als „Funktionieren“ verstanden wird, als Nützlichsein, für wen auch immer. Leben ist anderes als Optimierung der eigenen Ressourcen und Bewältigung von „Störungen“, es geht um etwas anderes als um das „Know-how“ dessen, wie man glücklich wird oder er-folgreich. Die Bibel hat keine Berührungsängste mit dem Wort „Leiden“. Zwar wird dieses nicht glorifiziert. Aber die Bibel ist kein Handbuch zu dessen Verhinde-rung, und Gott keiner, der das Leiden gleich selbst aus der Welt schaffen würde.
Während der Zeitgeist einseitig die Tatkraft und den Willen akzentuiert, hält die Bibel die Dimension des Geschehenlassens und des Erleidens im Spiel.
Wer aber hinnehmen muss, braucht Trost. Trost aber ist nicht etwas, das der Pfarrer hat und anderen aus-teilt. Insbesondere im Gespräch mit Trauerfamilien war es mir wichtig, zu sagen, dass Trauer keine „Störung“ ist. Ein Abschied weist uns in besonderem Mass auf das hin, was wir eigentlich immer brauchen.
Das Geschehenlassen kann aber auch sehr wohltu-end sein. Beim gemeinsamen Bibellesen in der Grup-pe von treuen Interessierten merkten wir nicht nur, dass die biblischen Texte anspruchs- und humorvol-ler sind als ihr Ruf. In gewisser Weise waren sie es, die uns mit dem Leben, miteinander und mit Gott nä-her in Kontakt brachten. Hier und in manch anderen Begegnungen erfuhren wir miteinander eine Art Wachstum, das sich nicht in Zahlen festhalten lässt.
Danke dafür und für vieles mehr. Danke für alles Wohlwollen und Vertrauen, das Sie mir entgegen-brachten. Bhüet eu Gott.
Oliver Jaschke, Pfarrer
Mai 2026 — Persönliches Wort von Pfarrer Markus Saxer
Liebe Gemeinde in Kloten
Die Feiertage sind vorbei wenn Sie diese Zeilen lesen. Ostern, Auffahrt, Pfingsten dieser Zyklus an Festtagen in den Frühlingsmonaten hat selbstverständlich auch das Leben in unserer Kirchgemeinde mitbestimmt. Nun kommt die Sommerzeit und damit die Konfir mationsfeiern. Im Rückblick auf das diesjährige Konflager ist es mir eine Freude, wieder eine Schar junger Menschen zur Konfirmation und durch die Konfirmationsfeier zu begleiten. Beson ders spannend ist dieser Übergang, der ja nicht nur ein Kirchlicher ist, für die Jugendlichen selbst. Und für uns in der Jugendarbeit ist es schön zu sehen, wie viele dieser Jugendlichen sich bei uns in der Kirchgemeinde engagieren wollen. Beson ders in der Jugendarbeit dürfen wir auf ein enga giertes Team zählen. Junge Menschen mit vielen Stärken und Fähigkeiten, die auch bereit sind, sich für ihr Engagement weiterzuentwickeln. Manchmal dauert es ein Jahr, bis sie wieder auf tauchen. Die Umbrüche mit dem Einstieg ins Berufsleben oder die gymnasiale Oberstufe sind ja nicht gerade klein. Aber wenn sie sich einge wöhnt und eingelebt haben finden sie wieder Zeit für ein Engagement in unserer Jugendarbeit. Das ist ein Privileg, das wir als Gemeinde noch viel mehr schätzen sollten. Umso sorgfältiger gilt es abzuwägen, wenn die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Den bald Konfirmierten wünsche ich im Namen des gesamten Teams der Jugendarbeit schon jetzt ein schönes Fest im Kreis ihrer Lieben und einen guten Übergang für die zukünftigen Aufgaben. Markus Saxer, Pfarrer
Die Feiertage sind vorbei wenn Sie diese Zeilen lesen. Ostern, Auffahrt, Pfingsten dieser Zyklus an Festtagen in den Frühlingsmonaten hat selbstverständlich auch das Leben in unserer Kirchgemeinde mitbestimmt. Nun kommt die Sommerzeit und damit die Konfir mationsfeiern. Im Rückblick auf das diesjährige Konflager ist es mir eine Freude, wieder eine Schar junger Menschen zur Konfirmation und durch die Konfirmationsfeier zu begleiten. Beson ders spannend ist dieser Übergang, der ja nicht nur ein Kirchlicher ist, für die Jugendlichen selbst. Und für uns in der Jugendarbeit ist es schön zu sehen, wie viele dieser Jugendlichen sich bei uns in der Kirchgemeinde engagieren wollen. Beson ders in der Jugendarbeit dürfen wir auf ein enga giertes Team zählen. Junge Menschen mit vielen Stärken und Fähigkeiten, die auch bereit sind, sich für ihr Engagement weiterzuentwickeln. Manchmal dauert es ein Jahr, bis sie wieder auf tauchen. Die Umbrüche mit dem Einstieg ins Berufsleben oder die gymnasiale Oberstufe sind ja nicht gerade klein. Aber wenn sie sich einge wöhnt und eingelebt haben finden sie wieder Zeit für ein Engagement in unserer Jugendarbeit. Das ist ein Privileg, das wir als Gemeinde noch viel mehr schätzen sollten. Umso sorgfältiger gilt es abzuwägen, wenn die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Den bald Konfirmierten wünsche ich im Namen des gesamten Teams der Jugendarbeit schon jetzt ein schönes Fest im Kreis ihrer Lieben und einen guten Übergang für die zukünftigen Aufgaben.
Markus Saxer, Pfarrer
April 2026 — Persönliches Wort von Pfarrerin Lea Schuler
Der Mai ist für viele eine Zeit des Unterwegsseins. Die Tage werden länger, das Wetter freundlicher, und es zieht uns wieder hinaus – auf Spaziergänge, Velotouren oder einfach vor die Haustür. Bewegung tut gut. Sie bringt uns auf andere Gedanken und lässt uns die Welt mit frischem Blick wahrnehmen.
Auch im Kirchenjahr ist der Mai eine Zeit des Unterwegsseins. Zwischen Ostern, Auffahrt und Pfingsten liegen Wochen, in denen die Jüngerinnen und Jünger Jesu ihren Weg neu finden müssen. Jesus ist nicht mehr in derselben Weise bei ihnen wie zuvor. Mit der Auffahrt entzieht er sich endgültig ihrem Blick – und doch verspricht er ihnen: Ihr seid nicht allein.
Die Jünger bleiben zurück – zwischen Abschied und neuer Hoffnung. Sie wissen noch nicht genau, wie es weitergehen wird. Erst an Pfingsten erfahren sie die Kraft des Geistes, der sie ermutigt und in Bewegung bringt.
Vielleicht kennen wir solche Zeiten auch aus unserem eigenen Leben: Zeiten, in denen wir uns ein Stück weit neu orientieren müssen. Wege, die noch nicht ganz klar vor uns liegen. Fragen, auf die wir noch keine fertigen Antworten haben.
Die biblische Geschichte macht Mut: Wir müssen nicht alles schon wissen. Glauben bedeutet oft, Schritt für Schritt unterwegs zu sein – im Vertrauen darauf, dass Gott mitgeht.
So wünsche ich Ihnen für diesen Mai viele gute Wege: draussen in der Natur, im Alltag und vielleicht auch im
eigenen Nachdenken über das Leben. Und die Erfahrung, dass Gottes Geist uns begleitet – auch dort, wo der Weg erst langsam sichtbar wird.
Lea Schuler, Pfarrerin
März 2026 — Persönliches Wort von Pfarrer Oliver Jaschke
Zu Ostern
Die Entscheidung in Jerusalem – das ist Karfreitag und Ostern in der Bibel. Davor aber hatte Jesus an anderen Orten gewirkt, hauptsächlich in Galiläa, einer ländlichen Provinz. Dort war er Lehrer und Heiler. Wer die Texte im Zusammenhang liest, merkt, wie anders das Wirken Jesu ohne den Weg nach Jerusalem geblieben wäre.
Dass die ersten Jünger, die Jesus beruft, sogleich ihre Fischernetze liegen lassen und ihm nachfolgen, mag uns als grosser Schritt erscheinen. Weit mehr Mut aber brauchte es, um Jesus von Galiläa nach Jerusalem zu folgen. Denn hier wartete die Konfrontation mit den Autoritäten, die nicht duldeten, dass an ihnen vorbei das Gottesreich verkündigt und gar mit einem Menschen in Verbindung gebracht wurde.
Immer wieder spricht Jesus an, dass dieser Weg nach Jerusalem etwas kostet, nicht nur ihn selbst. Die Jünger aber sind auf diesem Ohr taub: Sie sorgen sich darum, wer von ihnen das grösste Stück am Kuchen der „Erfolgsgeschichte Jesus“ abbekommt. In Zeiten, in denen die Menschen Jesus zulaufen, bitten sie ihn darum, ihm möglichst nahe zu sein. „Ihr wisst nicht, worum ihr bittet“ (Mk 10, 38), sagt Jesus. Denn dass der Weg nach Jerusalem zu seiner Geschichte dazugehört, verstehen sie noch nicht.
Die Geschichten der Evangelien sind mehr als eine schöne Verpackung von ein paar Glaubenswahrheiten. Den Sinn von Karfreitag und Ostern in möglichst ein einziges Wort fassen zu wollen, hilft wenig. Die Evangelien erzählen. Und das macht es möglich, den Glauben als Weg mitzuvollziehen, der auch Irrwege und Abwege miteinschliesst. Einer dieser Irrwege ist, die Auferstehung an Ostern als eine Rückkehr auf den galiläischen „Erfolgskurs“ Jesu zu sehen. Vielmehr ginge es darum, den Lehrer und Heiler Jesus als den zu sehen, der weltlich gesehen „verliert“, und umgekehrt: Im Gekreuzigten den zu sehen, der gerade so die Menschen etwas lehrt und ihnen wohltut. Das mag keine Sicht sein, die sich von selbst ergibt.
Jesu Weg nach Jerusalem ist eine radikale und heilsame Absage an das Schielen auf Zulauf und „Erfolg“. Ihn wahrzunehmen, ihn im Eigenen nachzugehen, ist eine Aufgabe, mit der Christen und Kirchen nie abschliessen werden.
Ein frohes Osterfest Ihnen allen!
Februar 2026 — Persönliches Wort von Pfarrer Markus Saxer
Liebe reformierte Klotener
Sie kennen das in dieser Jahreszeit natürlich auch! Nebel, vor allem auch in Form von Hochnebel, der dann den Anblick der Sonne eher zur Seltenheit werden lässt. Der aber auch, wenn er tiefer liegt und sich in den Gebäuden verfängt oder an einem Hügel sich aufstaut, manchmal wohlvertraute Ansichten zum Verschwinden bringt. Zumindest vorübergehend.
Der später im Jahr, in den Sommermonaten als Nebelmeer bei der Höhenwanderung den Blick auf das Ziel unten im Dorf auch verdecken kann. So ist, wenn ich beim Schreiben dieses Textes zum Fenster im Home-Office hinaussehe, Zürich-Höngg verschwunden, unsichtbar, von weissen feuchtkalten Schwaden verdeckt.
Ist damit Zürich-Höngg weg?
Natürlich nicht! Zürich-Höngg ist da, selbst wenn ich es momentan gerade nicht sehen kann. Genau so wenig wie das Dorf unter dem Nebelmeer nicht mehr da ist, bloss weil man es nicht sehen kann.
Ähnlich ist es auch mit Gott, nur weil wir ihn nicht sehen oder auch spüren, heisst das überhaupt nicht, dass er nicht da ist. Gottes Gegenwart muss nicht sichtbar sein um zu wissen, dass wir ihm vertrauen können. Selbst hinter dem Nebel aus unseren Zweifeln und Fragen steht er fest da!
Die Bibel beschreibt solche Erfahrungen von Menschen mit Gott immer wieder neu und immer wieder eindrücklich. Diese Gegenwart Gottes ist beständig, Nebel dagegen, so erfahren wir es ja auch immer wieder, ist vergänglich. Wir werden das Tal wieder sehen, unseren Hausberg und alles andere was uns lieb und wert ist.
Markus Saxer, Pfarrer
Januar 2026 — Persönliches Wort von Pfarrerin Lea Schuler
Eine Gemeinschaft - viele Talente
Am 8. Februar 2026 findet in unserer Gemeinde zum zweiten Mal ein Talentgottesdienst statt. Eine schöne Gelegenheit, einen Blick in die Bibel zu werfen und darüber nachzusinnen, was sie uns zum Thema zu sagen hat.
Wenn wir heute von „Talenten“ sprechen, denken wir meist an besondere Fähigkeiten: musikalisch sein, gut organisieren können, handwerklich geschickt sein oder einen guten Draht zu Menschen haben. Ursprünglich meinte das Wort allerdings etwas anderes.
Ein Talent war in der Antike eine Währungseinheit – und zwar eine sehr große. Wer ein Talent besaß, verfügte über ein Vermögen, nicht über eine Begabung. Dass wir das Wort heute anders verwenden, hängt eng mit einem Gleichnis Jesu zusammen.
Im Matthäusevangelium erzählt Jesus von einem Herrn, der vor einer Reise sein Vermögen drei Knechten anvertraut: fünf Talente, zwei Talente und ein Talent – jedem nach seinen Möglichkeiten. Zwei setzen das Anvertraute ein, bringen es in Umlauf, und vermehren es auf diese Weise – und einer vergräbt es aus Angst.
Im Gleichnis geht es weniger um Erfolg als um Vertrauen. Entscheidend ist nicht, wer am meisten erwirtschaftet, sondern dass mit dem Anvertrauten etwas geschieht. Gelobt wird der Mut, etwas daraus zu machen, nicht der Gewinn.
Im Laufe der Zeit hat sich von hier aus die Bedeutung des Wortes verschoben: weg vom Geld, hin zu den Gaben, welche Menschen haben und damit unsere Welt bereichern. Und auch hier sind wir eingeladen, unser Talent nicht zu vergraben, sondern es in die Welt zu bringen.
Einen weiteren wichtigen Akzent setzt der Apostel Paulus, wenn er die Gemeinde als einen Leib mit vielen Gliedern beschreibt. In Korinth war ein Konkurrenzdenken entstanden: Wer ist begabter, wer wichtiger?
Paulus meint dazu: „Die auffälligen, sichtbaren Begabungen sind etwas Wunderbares, aber sie sind nicht alles.“ Es gibt auch andere Begabungen, die weniger im Vordergrund stehen und auf den ersten Blick vielleicht gar nicht als solche erkannt werden. Doch für das Ganze sind sie ebenso wichtig. Kein Teil kann für sich allein bestehen, keiner ist überflüssig.
Paulus sagt: Durch das Zusammenspiel unserer Fähigkeiten und dessen, was jeder einzelne in die Gemeinschaft einbringt, entsteht der Leib Christi. In diesem Zusammenspiel ist also etwas von Gott selbst erfahrbar.
Zusammengelesen, führen diese beiden Texte zu einer entspannten, aber zugleich weiten Sicht:
Talente sind weder etwas, womit man sich über andere stellt, noch etwas, das man aus Angst verstecken müsste. Sie dürfen sichtbar werden und auch glänzen. Zugleich lädt der Glaube dazu ein, aufmerksam zu werden für die vielen unterschiedlichen Gaben, die Menschen einbringen – damit wir gemeinsam Leib Christi sind.
Lea Schuler, Pfarrerin
Dezember 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Oliver Jaschke
Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! (Off 21, 5)
Ein frohes neues Jahr! Aber was heisst schon „neu“? Mit etwas Erstaunen sehe ich die alljährliche Überschwänglichkeit an Silvester, das Feuerwerk rund um den Erdball. Da wird wohl mehr Wunsch gepflegt statt Wirklichkeit: Neu soll es werden, das Jahr! Und doch ist alles beim Alten, ausser der Zahl.
Das Neue strahlt eine ungeheure Attraktivität aus. Es beginnt vielleicht beim „unboxing“, beim (feierlichen oder ungeduldigen) Auspacken eines neu gekauften Gegenstandes. Es ist zu einem Ereignis für sich geworden, und prägt uns vielleicht mehr, als uns bewusst ist.
Neu, das heisst: unverbraucht, nahezu unberührt, aber auch: Auf der Höhe der Zeit. Wie viele Dinge lagern in unseren Kellern und Estrichen, die zwar noch brauchbar und intakt wären, aber nicht mehr von Nutzen, nicht mehr zeitgemäss sind?
Es gab eine Zeit, die hat das Neue besonders gross gemacht. Die Epoche der Aufklärung glaubte, allem, was davor war, überlegen zu sein. Das Neue ist immer besser. Das ist nun über zweihundert Jahre her, und ja – veraltet. Aber die Fortschrittsgläubigkeit hält sich hartnäckig.
Dabei liegt seit gut 80 Jahren offen zutage, dass nicht nur das Gute, sondern auch das Böse Fortschritte macht. Wir haben nicht nur das Glück moderner Medizin und der Waschmaschine erfahren, sondern müssen auch hinnehmen, dass die Methoden und die Effektivität des Krieges und des Verbrechens sich weiterentwickelt haben. Und wie wir die „Segnungen“ unserer neuen Smartphones so in Anspruch nehmen, dass es uns nicht krank macht, müssen wir erst noch lernen.
Wie spricht der Glaube von „Neuem“? Achtet man auf die Erzählung von Jesus, fällt auf, dass sie immer wieder auf Worte des Alten Testaments zurückgreift. Wer Jesus ist, wird mit Worten erzählt, die bereits in den Ohren sind.
Bei Gott also meint „neu“ nicht das Abschneiden alter Zöpfe (davon allein ist ja noch nie etwas Neues entstanden), sondern jenes Seltsame, das uns vor kurzem an Weihnachten erzählt wurde: Gott begibt sich in die alt gewordene Welt, um gerade hier sein Neues zu schaffen. Auf uns selbst übertragen: Wo wir aus dem Alten, das wir selbst sind, nicht herauskommen, ist nicht das Entsorgen angesagt, sondern die Hoffnung, dass Gott es dennoch als Ort nimmt, um zu wirken:
Neue Hoffnung, neue Kraft und Zuversicht.
Also nochmals: Frohes neues Jahr!
Oliver Jaschke, Pfarrer
November 2025 — Persönliches Wort von Sozialdiakon Stephan Schlatter
Das zu Ende gehende Jahr 2025 war ein ganz besonderes historisches Gedenkjahr. Wir erinnerten uns, dass vor 80 Jahren der zweite Weltkrieg beendet wurde. Und alle Beteiligten waren sich doch einig, dass so etwas Schreckliches nie wieder geschehen darf. Doch der Mensch kann das Morden einfach nicht lassen. Der Ukraine- und der Gazakrieg haben uns das wieder deutlich vor Augen geführt. Wir wissen es: Macht korrumpiert den Charakter des Menschen! Vermeintlich „grosse“ Männer im geheizten Büro schicken die „kleinen“ Männer in die Kälte, den Dreck und den Tod. Der US-amerikanische Schriftsteller Carl Sandburg schrieb bereits 1936 in seinem Gedichtband „The People, Yes“ die berühmt gewordenen Worte „Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin“. Solch eine Befehlsverweigerung zum Töten geschah vor 111 Jahren an der Westfront, bekannt als Weihnachtsfrieden von 1914, als sich während dem Ersten Weltkrieg britische, französische und deutsche Soldaten verbrüderten und gemeinsam Weihnachten feierten. Tauchen wir ein in das Geschehen vor 111 Jahren:
An vielen Stellen liegen die Schützengräben der beiden Parteien weniger als 100 Meter auseinander. Die Briten hören die Deutschen Weihnachtslieder singen. Die Briten lassen sich das nicht bieten und singen ihre Weihnachtsklassiker umso lauter. Gegenseitig schmettert man sich Choräle um die Ohren. Das ist ja mal ein Wettstreit! Einige Offiziere beherrschen Fremdsprachen. Man beginnt sich zu verständigen, miteinander zu reden. Zuerst durch zurufen von Schützengraben zu Schützengraben, dann, indem beide Parteien einige Soldaten aus dem Schützengraben zu einem Treffen in der Mitte senden. Zaghafte Annäherungen die Grosses bewirken. Man einigt sich zum n Schützengräben. Es werden gefallene Soldaten geborgen und später wird nun gemeinsam gesungen, man feiert gemeinsam Gottesdienst und es werden Geschenke aus der Heimat ausgetauscht.
Ein Soldat des bayerischen 16. Reserve-Infanterie-Regiments schreibt später seinen Eltern über ein Treffen mit britischen Soldaten im Niemandsland:
"Zwischen den Schützengräben stehen die verhassten und erbittertsten Gegner um den Christbaum und singen Weihnachtslieder. Diesen Anblick werde ich mein Leben lang nicht vergessen."
Laut einem in der englischen „Times“ veröffentlichten Offiziersbrief soll sogar ein Fussballspiel stattgefunden haben. Doch dieses Treiben gefällt nicht allen. Die Kommandeure beider Lager sind verärgert. Die Offiziere und Soldaten dieser Frontabschnitte werden harsch gerügt für diese unerhörte Fraternisierung (Verbrüderung). Die Truppen könnten Gefallen am «Frieden im Krieg» finden und womöglich für immer die Lust am Kämpfen und Töten
verlieren, so fürchtet man. Doch trotz Drohungen und Disziplinarstrafen hält der Weihnachtsfrieden mancherorts bis Ende Dezember. Irgendwann geht auch an der Westfront das Schiessen weiter und bis zum Ende des Krieges 1918 müssen alleine an der Westfront fast vier Millionen Soldaten sterben. Der Sohn des deutschen Offiziers Kurt Zehmisch erinnert sich später, dass sein Vater niemals von Feinden, sondern stets von Gegnern gesprochen und dass er keinen Hass empfunden habe.
Mir gibt dieses Historische Ereignis Hoffnung. Verständigung und Frieden ist möglich. Irgendeiner muss anfangen, ein Lied anzustimmen. Zaghafte Schritte aufeinander zu können viel bewirken. Beginnen wir in unserem Umfeld. Machen wir in unserer Familie oder dem Arbeitsplatz den ersten Schritt. Suchen wir doch mit aller Kraft das Miteinander, den Respekt und den Frieden.
Ich wünsche uns allen eine gesegnete Adventszeit.
Es grüsst Sie herzlich,
Stephan Schlatter, Sozialdiakon
Oktober 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Markus Saxer
Die Vergänglichkeit unseres Lebens wird uns im Herbst von der Natur eindrücklich vorgeführt. Wo eben noch Bienen Nektar sammelten, finden sich nur abgeerntete leere Felder und gut durchgejätete Blumenbeete, die auf die Neuanpflanzung im nächsten Frühling warten.
Wo im Freibad das pure Leben am Werk war, sind jetzt Bademeister und Handwerker dabei, die Anlage winterfest zu machen und dort, wo es Not tut, Reparaturen durchzuführen.
Der Glacestand wird vom Marroniverkäufer abgelöst und auch das Kirchenjahr geht zu Ende. Nur wird es bei uns nicht gerade ruhiger wenn das Kirchenjahr zu Ende geht, der Vergleich mit der Badi-Saison hinkt. Denn auf das Ende des Kirchenjahres mit dem Totengedenken vom Ewigkeitssonntag folgt schon eine Woche später der Start in die Adventszeit.
Im Freibad muss man ein paar Monate warten bis es wieder losgeht. Im Kirchenjahr dauert die Wartezeit nur eine Woche. Was bedeutet das nun? Ist die Zeit der Besinnung zwischen dem Ende des alten und dem Beginn des neuen Kirchenjahres nicht vielleicht sogar ein bisschen knapp?
Reicht eine Woche um über die Siege und die Niederlagen des letzten Jahres zu bedenken? Haben wir die Zeit, um an die Abschiede zu denken und zurückzublicken auf die Menschen, die neu in unser Leben gekommen sind.
Vielleicht brauchen wir den Mut, uns Zeit zu nehmen, um die Rückschau nicht auf einen Termin im Jahr zu beschränken, sondern öfters mal innezuhalten.
Ihnen allen eine gute Herbstzeit und schon jetzt einen frohmachenden Advent.
Pfarrer Markus Saxer
September 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Oliver Jaschke
Wieder da!
Nach meinem halbjährigen Weiterbildungsurlaub habe ich nun meine Arbeit in der Kirchgemeinde Kloten wieder aufgenommen. Ich möchte zunächst allen danken für den warmherzigen Empfang, den sie mir bereitet haben! Ungemein dankbar bin ich auch für die Zeit, die ich hatte, um meine Projekte zu verfolgen und vom Alltag etwas Abstand zu gewinnen.
Ein grosses Anliegen war es mir, mich nochmals mit Sinn und Relevanz der Predigtarbeit zu befassen. Warum Predigen? Meine Beschäftigung hat mich darin bestärkt, dass es weder ums Überreden noch ums Überzeugen geht. Denn Glaube ist etwas anderes als eine Überzeugung. Die darf ich haben, aber die sollen sich auch ändern dürfen. Wenn Glaube aber die Verbindung mit Gott ist, ist es nicht angemessen zu sagen: ich habe sie. Eher umgekehrt: Der Glaube soll mich ‚haben’, im Sinne von: Er soll mich in Verbindung mit Gott behalten. Dazu soll die Predigt ihren Beitrag leisten. Meine Überlegungen sind ein kleines Büchlein geworden, das hoffentlich bald gedruckt vorliegt.
Das zweite Projekt war der Besuch verschiedener Autobahnkirchen in Deutschland. Es ist interessant, zu sehen, wie sich Kirche „am Weg“ um Präsenz bemüht. Zu sehen sind dabei höchst unterschiedliche Bauwerke und Konzepte, von der dreisitzigen Kleinkapelle bis zum ausgewachsenen Gottesdienstraum für über hundert Personen. In meinem Bericht zum Weiterbildungsurlaub findet sich ein Fotorundgang durch die besuchten Gebäude.
Die dritte Aufgabe bestand in der Rekreation. Sie muss nicht ohne Ambitionen angegangen werden. Ich bin viel auf dem Velo gesessen, mit dem Saisonhöhepunkt „Säntis-Classic“, einer Volksrundfahrt von Weinfelden aus über die Schwägalp.
Nun freue ich mich aber, wieder in der Gemeinde zu sein!
Oliver Jaschke, Pfarrer
August 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Jürgen Wieczorek
Ein feiner Zauber im Sommeralltag
Die Autos warten. Die Ampel ist rot. Viel zu lange schon. Das nervt. Plötzlich springt von der Seite eine junge Frau auf die Strasse. In der Hand bunte Bälle. Sie beginnt zu jonglieren. Sie ist schnell, schlängelt sich elegant durch die Reihen der Autos. Sie weiss: zum Jonglieren hat sie genau 40 Sekunden Zeit. Dann noch 15 Sekunden, um ein wenig Geld zu einzusammeln. Dazu öffnen ein paar Fahrerinnen oder Fahrer die Fenster ihrer Autos und reichen Geld heraus. Andere geben nichts.
Verzaubernde Strassenkunst im Sommeralltag auf der Kreuzung, die ich während der Ferien in Bonn erleben durfte. Ein feiner Zauber während des Wartens. Bunte Bälle gegen das graue Einerlei. Farbenfrohes Lächeln gegen brummelige Gesichter. Jetzt wird die Ampel grün. Sonja muss sich beeilen. Noch steht sie auf der Kreuzung. Mit Geschick und Tempo eilt sie durch die Autoreihen zum Trottoir. Geschafft. In dieser Minute hat sie acht Euro bekommen und doppelt soviel freudiges Lächeln auf Gesichter gezaubert.
Diese Strassenkunst ist natürlich verboten, einerseits. Andererseits wird sie geduldet. Es ist noch nichts Schlimmes passiert. Nur genervte Autofahrer gibt es, die ihren Unwillen äussern. Worüber denn bloss?
Aber eben auch andere, die Beifall klatschen und gerne geben. Wie häufig im Leben ist etwas umstritten. Ja, es ist gefährlich, keine Frage. Aber es ist eben auch wie ein feiner Zauber. Die bleischwere Stimmung im Stau auf grauem Asphalt erhebt sich durch artistische Schwerelosigkeit und verzaubernde Poesie farbenfroher Bewegung. Als habe sich ein Zirkuszelt direkt neben mir aufgebaut und lächelt mir bezaubernd einladend zu.
Wir werden nicht aufgehalten, wenn wir es eilig haben. Wer will, kann unbeeindruckt weiterfahren. Doch wenn ich mich darauf einlasse, werde ich unverhofft ein wenig verzaubert, abgelenkt vom grauen Einerlei der Strasse. Diese Künstlerinnen und Künstler der Strassenkreuzung können etwas richtig gut. Es ist nichts, was die Wirtschaft voranbringt; es ist aber etwas, was mich leichter macht, luftiger, beschwingter, wie ein Engel - Zauberei?
Zauber macht mein Leben leichter, beschwingter. Wenn ich mich verzaubern lasse von artistischer Strassenkunst oder klangvoller Musik, dem Farbenspiel des Regenbogens oder Sonnenuntergang am Meer, einem aufmunternden Lächeln oder einem liebevollen Wort, dann wird mein Herz leichter. Manchmal schickt mir Gott überraschend einen Engel auf den Weg. Wenn ich mich im grauen Alltag verliere, wenn meine Gedanken still stehen, wenn sich meine Gefühle vor roten Ampeln eintrüben, dann ist er plötzlich da, an meiner Seite und lässt sich in einem Alltagszauber erkennen. Er bringt Farbe, Lächeln und neuen Schwung in mein Leben. Jesus jongliert mit trübem Wasser und serviert mir reinen Wein! (Siehe in der Bibel Johannes 2) Gott kennt besondere Wege, mich zu berühren und zu bewegen. Er schickt mir den Engel meiner Strassen und Staus und macht mein Leben leichter und mein Herz beschwingter. Gott sei Dank!
Jürgen Wieczorek, Familienpfarrer
Juli 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Markus Saxer
Liebe Leserinnen und Leser
Dieser Text erreicht Sie vom Termin her mitten in den Sommerferien. Viele von Ihnen werden ihn wohl finden, wenn Sie die angehäufte Post aus ihrer Ferienabwesenheit sichten. Es freut mich, wenn Sie dann die Zeit finden, ihn auch zu lesen. Da sind also Ferien aus denen Sie bereits zurück sind und, sollten Sie schulpflichtige Kinder haben, der Schulbeginn Mitte August ist bereits am Horizont zu erkennen. Vielleicht gibt es auch manchmal einen Seufzer, wie schnell doch die Ferienzeit vorbeigeht vom schulpflichtigen Teil der Familie. Es ist ein Neustart für unsere Kinder und Jugendlichen und das ist zum Einen schön, aber nicht immer ganz einfach. Besonders dann, wenn die Schulzeit zu Ende ist und der Eintritt ins Berufsleben ansteht.
Betrifft dieser Neustart nicht uns Erwachsene aber eben auch? Ist das nicht vielleicht sogar gut so? Im Sommer die Zeit nutzen um darüber nachzudenken, wie es weitergehen soll, ob eine Veränderung angezeigt ist? Das ist ja keine schlechte Idee.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Gemeinde, nicht nur eine schöne und erholsame Sommerferienzeit, sondern auch den Freiraum, um über einen allfälligen Neustart nachzudenken.
Mit sommerlichen Grüssen aus dem Pfarrbüro.
Markus Saxer, Jugendpfarrer
Juni 2025 — Persönliches Wort von Pfarrerin Lea Schuler
Zum Zeitpunkt, da ich diese Zeilen verfasse, sind von meiner fünfmonatigen Stellvertretung schon drei Monate vergangen. Und wenn Sie sie dann lesen, wird der letzte Monat schon angebrochen sein.
Es ist für mich immer eine grosse Bereicherung, bei meinen Stellvertretungen ganz unterschiedliche Kirchgemeinden kennenzulernen. Jedes Mal, wenn mir von der Landeskirche eine neue Stellvertretung vorgeschlagen wird, ist das für mich ein bisschen wie eine Wundertüte. Und diesmal war in der Wundertüte wirklich viel Wunderbares!
Schon beim ersten Kennenlerntreffen fiel mir auf, wie belebt das Kirchgemeindehaus war, und ebenso das herzliche Miteinander von Gemeindemitgliedern, freiwillig Engagierten und Mitarbeitende. Und der erste Eindruck bestätigte sich während meines ganzen bisherigen Einsatzes bei Euch.
Beim Kirchenkaffee im Anschluss an die Gottesdienste, beim Zäme ässe – zäme rede, auf dem Seniorenausflug, bei den Kaffeepausen und dem gemeinsamen Zmittag mit den Mitarbeitenden lernte ich die Menschen der Kirchgemeinde schnell kennen und schloss sie ins Herz. Es ist schön, zu spüren, dass die Kirche für viele Menschen ein Ort ist, wo sie sich wohl und zu Hause fühlen.
Beeindruckt war ich natürlich auch vom Freiraum mit der Jurte, dem farbenfrohen Abenteuerspielplatz und der neu angelegten Kräuterspirale – umso mehr, als mir mein Pfarrkollege dann auch noch erzählte, wie all diese Elemente von ihm und engagierten Freiwilligen entworfen und zum Teil sogar eigenhändig gebaut wurden!
Da ich sehr gerne male und zeichne und eines meiner Hobbies das Urban Sketching ist, habe ich mir von Anfang an vorgenommen, diese wunderbaren Impressionen auch zeichnerisch festzuhalten.
Leider fand ich bisher dazu neben meinen pfarramtlichen Aufgaben weniger Zeit als ich ursprünglich gedacht hatte. Dafür fand ich aber Gleichgesinnte und so traf sich bis jetzt wenigstens ein paar Mal ein kleines Grüppchen zum Urban Sketching auf dem Kirchenareal. Bei einem solchen Treffen ist auch dieser Sketch entstanden.
Am 10. Juli 2025 wird es einen Jurte Special Anlass geben, wo alle Interessierten herzlich zum gemeinsamen Sketchen eingeladen sind!
Bei so vielen schönen Erlebnissen und Begegnungen könnte mich der baldige Abschied fast ein wenig wehmütig stimmen. Es ist aber auch schön für mich, mit so vielen guten Erinnerungen im Gepäck zur nächsten Stellvertretung weiterzuziehen.
Ich bedanke mich bei allen Gemeindegliedern, Mitarbeitenden und der Kirchenpflege für die schöne Zeit bei Euch und wünsche Euch Gottes reichen Segen!
Herzlich, Ihre Lea Schuler
Mai 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Jürgen Wieczorek
Heldenschmiede - so lautete der Titel unser diesjährigen „Kinderwoche“. Vier Tage mit neugierig motivierten Kindern auf der Suche nach wahren „Helden“ in der Bibel und mitten in unserem Alltag. Ich habe auch so einen wunderbaren „Helden mitten im Leben“ gefunden, der gar nie Held sein wollte, sich nie als „Held“ fühlte und doch einer IST.
Vor fünf Jahren musste Reto seine Frau ins Pflegeheim bringen. Er konnte nicht mehr beides leisten: In der Bank arbeiten und seine kranke Frau pflegen. Dafür war er immer zu lange von zu Hause weg. Schweren Herzens und auf Anraten der Ärzte kam seine Frau auf die Pflegestation. Reto hat sie besucht, so oft wie möglich. Nach zwei Jahren starb seine Frau. Und Reto wusste nicht weiter…
Aber plötzlich wusste er doch weiter. Und ging jeden Tag, den der liebe Gott werden liess, auf die selbe Pflegestation. Erst als eine Art Mittagspause, seit zwei Jahren dann in seinem Ruhestand. Da hilft er – vor allem am Wochenende – bei der Essensausgabe, beim Essen anreichen, beim Abräumen und Säubern der Tische und Nachttische. Manchmal spielt er ein Spiel mit, liest jemandem etwas vor oder unterhält sich mit jemandem, auch mit Angehörigen. Reto macht das, wozu kaum ein anderer Zeit hat. Er selber nennt sich „Libero“ – also einer, der frei ist und Zeit hat für berührende Kleinigkeiten.
Wer heute Zeit hat für die Kleinigkeiten und einen liebevollen Blick auf die, denen gerade Kleinigkeiten riesige Freude ins Leben bringt, kann schnell zum Helden werden. Reto war immer da, vor allem am Wochenende. Er hatte Zeit und füllte sie mit kleinen Gesten und Taten. Er besorgte etwas, er benachrichtigte Angehörige, hatte offene Ohren, fuhr mal jemanden zum Arzt oder füllte Behördenbögen aus. Und eines Tages sagte jemand: Der Reto ist jetzt schon fünf Jahre hier. Stimmt, sagten andere; stimmt, sagte Reto etwas kleinlaut. Und man feierte ein Fest auf der Station. Reto, der Held der menschlich liebenswürdigen Kleinigkeiten.
Später fragte ihn jemand, warum er das denn das alles mache. Da antwortete Reto: Mich spornt mein Glaube an. Das verstand man nicht sofort. Darum ergänzte er noch: Menschen sollen füreinander da sein. Ich habe so viel Glück gehabt im Leben. Jetzt möchte ich etwas Glück für andere sein.
Das hätte Reto niemals von sich aus so gesagt. Aber die anderen hatten ja gefragt. Dann darf man auch sagen, was man glaubt. Reto glaubt an Gott. Und wer an Gott glaubt, sieht Menschen möglichst nicht als Gegner, sondern als Geschwister. Retos Glaube ist einfach. Menschen sollen füreinander da sein mit Sinn und Geschmack für liebevoll berührende Kleinigkeiten, die Glück ins Leben bringen. Darin ist Gott ganz nahe. Darin wirkt sein Geist lebendig in uns, durch uns und unter uns.
Frohe Pfingsten im Geist solch heldenhaften Glaubens wünscht Euch mit herzlichem Segensgruss!
April 2025 — Persönliches Wort von Pfarrer Markus Saxer
Im Mai läuteten die Glocken!
Das ganz grosse Gedenken spielt sich in unseren Nachbarländern und in ganz Europa ab. Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass vor 80 Jahren, am 8. Mai 1945 um 11.00 Uhr am Morgen und um 20.00 Uhr am Abend sämtliche Kirchenglocken läuteten, um das Ende des
2. Weltkrieges zu verkünden und zu feiern.
Die Schweizerinnen und Schweizer strömten in Scharen auf die Strassen und auf Plätze ihrer Städte und Dörfer, um das langersehnte Kriegsende zu feiern. Fünf Jahre lang war die Schweiz eingeschlossen. Erst im Herbst 1944 erreichte die französische 2. Armee die Schweizer Grenze in der Nähe von Porrentruy und der Ring der Achsenmächte war gesprengt. Die schweizerisch-italienische Grenze wurde durch die Amerikaner erst wenige Tage vor Kriegsende erreicht.
Die meisten noch lebenden Zeitzeugen haben diese Geschehnisse noch als Kindheitserinnerungen präsent, von denen die am Aktivdienst und an der Anbauschlacht teilgenommen haben, sind nur noch wenige am Leben.
Was uns Nachgeborenen bleibt, ist die Erinnerung an diese Zeit zu bewahren und das tiefe Gefühl der Dankbarkeit dafür, dass unser Land weitgehend verschont geblieben ist.
Aus heutiger Warte ist vielen unbekannt, dass
einige Begleiterscheinungen der Kriegszeit uns noch einige Zeit erhalten blieben. Die Rationierung von Fett und Mehl endete erst im Juli 1948.
Halten wir doch alle einen Moment inne um den Geschehnissen vor 80 Jahren zu gedenken und denken wir beim Läuten der Kirchenglocken auch einmal daran, dass wir dankbar sein dürfen, wenn die Glocken «nur» für den Gottesdienst läuten.
Hoffen wir zusammen, dass wir einen friedlichen Sommer erleben dürfen.
