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Leitbild Ref. Kirchgemeinde Kloten

Kirchenschlüssel

Wegweiser in Kloten

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Leitbild der Ref. Kirchgemeinde Kloten Leitbild der reformierten Kirchgemeinde Kloten
vom 11. November 1997
(revidiert März 2004)
(Revision 2, 24.4.06)


1. Einleitung

Das alte und das neue Testament sind das Fundament für die Arbeit der Kirche. Sie übermitteln beständige, christlich verbindliche Wegweiser für die Menschen, die Kirche und ihre Gestalt. Die Kirche lebt hier und jetzt. Ihre Arbeit und ihre Prioritäten werden von ihren Gemeindegliedern und Mitarbeitern gestaltet und nehmen Bezug auf die gegenwärtige gesellschaftliche Situation. Das Hier und Jetzt unterliegt einem dauernden Wandel.

Eine feste Orientierung an Wegweisern ist bei dauernd wechselndem Umfeld über-lebenswichtig. Kirchenpflege und Konvent haben aus diesem Grunde das vorliegende Leitbild für die Arbeit der Kirche Kloten in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre formuliert. Aufgrund einer Analyse des Hier und Jetzt und der Reflektierung unseres Fundamentes leitet es Grundsätze und Prioritäten für unser Handeln ab und formuliert den organisatorischen Rahmen für den Gestaltungsprozess.


2. Gesellschaftliches Umfeld

Die Gesellschaft, in welche die Kirche heute eingebunden ist, erlebt Wandlungsprozesse, deren Dynamik auf zahlreichen Ebenen immer mehr zu spüren ist. Die Stichworte begegnen uns täglich:

Die Wirtschaft steckt in einem globalen Umstrukturierungsprozess, dessen Folgen unabsehbar sind. (Stichworte: Soziale Schere, Erwerbslosigkeit, Deregulierung, Stress am Arbeitsplatz, Jugend ohne Zukunft). Der Staat ist heute vielfach überfordert, das soziale Netz wird mit Verweis auf die Finanzlage mehr und mehr in Frage gestellt. Die soziale Sicherheit ist brüchig geworden. (Stichworte: Verunsicherung, Existenzangst, Arbeitslosigkeit, neue Armut, Fremdenfeindlichkeit). Hinzu kommt, dass der heutige Mensch wenig gewillt ist, Werte und Normen der Institutionen (Kirche, Staat, Parteien, etc.) fraglos anzunehmen, diese haben an Glaubwürdigkeit verloren. Die Reizüberflutung durch die Medien, welche das Glück durch Konsum anpreisen, ist allgegenwärtig (ich kaufe also bin ich).


Gemeinschaft und Verbindlichkeit zerfallen zusehends. Gruppierungen mit klar definierten Weltanschauungen und fixen Lebensrezepten haben nicht zuletzt deshalb Zulauf.

In dieser Zeit des Individualismus ist der Hunger nach Orientierung und Sinnfindung gross. Die Menschen wollen sich kaum mehr binden, doch die Sehnsucht nach Geborgenheit bekommt einen grösseren Stellenwert.

Die Kirche muss sich diesen zum Teil widersprüchlichen Tendenzen offen stellen. Will sie den Kontakt mit den heutigen Menschen nicht verlieren, muss sie ihre Hoffnungen und Ängste ernst nehmen. Sie muss sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit beschäftigen, im Bewusstsein keine vorschnellen Antworten bereitzuhalten, sondern vielfach nach Antworten zu suchen. Sie soll eine offene, gastliche und vielgestaltige Volkskirche sein, die ihre evangelisch-protestantische Tradition hochhält.


3. Situation der Kirchgemeinde

Die Kirchgemeinde muss eine Reihe von strukturellen und organisatorischen Problemen lösen. Die gesellschaftliche Entwicklung hat zu Verunsicherungen geführt, die sich auf verschiedenen Ebenen äussern.

Das Angebot ist vielfältiger und breiter geworden; die gemeinsame Ausrichtung ist aber gefährdet und damit schwindet die Kraft. Die Angestellten der Kirchgemeinde erleben grosse Belastungen.

Die gemeinsame Willensbildung von Kirchenpflege und Konvent ist erschwert. Als gewählte Vertreter der Gemeinde erhebt die Kirchenpflege einen Führungsanspruch, der auf die Gestaltungsautonomie der einzelnen Mitarbeiter stösst. Dies verlangt einen lebendigen Dialog und erfordert entsprechende Strukturen.

Angesichts der vielfältigen Erwartungen der Gemeinde und der limitierten Ressourcen ist es dringend nötig, demokratisch hergeleitete Prioritäten zu setzen und entlastende, neue Formen der Zusammenarbeit und Arbeitsteilung zu finden.


4. Wegweiser und ihre biblischen Grundlagen

„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Denken und deinen Nächsten wie dich selbst“ (Lk., 10, 27).

Diesen Satz hat Jesus ins Zentrum seiner Botschaft gestellt. Vier Aspekte dieses Gebotes sollen für unsere Kirchgemeindearbeit wegweisend sein.

4. 1. Der aufrechte Mensch

„Gott schuf also den Menschen als sein Abbild, als Abbild Gottes (Jahwe: ich bin der ich sein werde) schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie“ ( Genesis 1, 27 ). „Am Sabbat lehrte Jesus in einer Synagoge. Dort sass eine Frau, die seit 18 Jahren krank war, weil sie von einem Dämon geplagt wurde; ihr Rücken war verkrümmt, und sie konnte nicht mehr aufrecht gehen. Als Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sagte: Frau, du bist von deinem Leiden erlöst. Und er legte ihr die Hände auf. Im gleichen Augenblick richtete sie sich auf und pries Gott. Der Synagogenvorsteher aber war empört darüber, dass Jesus am Sabbat heilte....“(Lk., 13, 10 ff).

a) Jesus will aufrechte, ebenbildliche Menschen
b) Der aufrechte Mensch ist ein höheres Gut als die buchstabengetreue inhaltung eines Gesetzes. Das Leben geht vor.

Die Gemeindearbeit stützt den Menschen in seinem Wunsch nach Wachstum und Entfaltung, sie schafft Freiräume, wo Menschen vorbehaltlos angenommen werden. Im Bewusstsein, dass alle Menschen abbildliche Geschöpfe Gottes sind, bemüht sich die Gemeinde um Offenheit und Toleranz. Dies schliesst das Einhalten einer klaren Haltung und konsequenten Linie nicht aus.

Erster Wegweiser

La Gloire de Dieu c’est l’homme debout. Gott sagt ja zu den Menschen, er hat sie ach seinem Bilde geschaffen. Die Intentionen unseres kirchlichen Handelns gehen olgerichtig dahin, Menschen zu stützen, zu stärken und sie zu begleiten.


4.2. Die Kirche und ihre Gestalt

"Denn wie wir an einem Leib viele Glieder haben, die Glieder aber insgesamt nicht die gleiche Verrichtung haben, so sind wir, die vielen, ein Leib in Christus, einzeln aber untereinander Glieder" (1. Kor. 12,4,5).

a) Die kirchlichen Dienste der Gemeinde sind vernetzt und stehen leichberechtigt nebeneinander
b) Die einzelnen Dienste werden im Bewusstsein iner Gesamtheit, einem Leib anzugehören geleistet. Jedes Glied ist notwendig und wichtig.

Die Gemeindearbeit stützt und fördert kleinere Gruppierungen und zeigt Wege der Vernetzung auf. Vielfalt im Gemeindeleben ist ihr ein grosses Anliegen. Möglichst viele Gemeindeglieder sollen einen Platz in einer solchen Gruppierung finden und dort ihre Gaben und Energien entfalten können. Kirche wird nicht von oben diktiert sondern von unten gelebt.


Zweiter Wegweiser

Jeder Mensch ist wertvoll und von Gott angenommen, die Kirche anerkennt diesbezüglich auch keine Hierarchie der Werte, jede Ebene kirchlichen Handelns ist notwendig, die Gemeinde ist ein Leib aus vielen Gliedern. Die Zusammenarbeit soll in gegenseitiger Akzeptanz und Wertschätzung erfolgen und im Hinblick auf die Gesamtgemeinde aufeinander abgestimmt sein.


4.3. Kirche in der Welt

„ Alles, was ihr von andern erwartet, das tut auch ihnen!“ (Matth. 7,12). „Denn der Geist der Liebe, den Gott uns gegeben hat, macht uns nicht zaghaft, sondern gibt uns Kraft, Mut und Besonnenheit“ (nach 2. Tim, 1,7). „Wahrlich ich sage euch: Wiefern ihr es einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr es mir getan“ (Matth. 25, 40).

a) kirchliches Handeln ist tatkräftig, die Orientierung bezieht sich auf Gott, das Ziel auf die Welt
b) Die Kirche entwickelt stetig neue Visionen, - sowohl für die Menschen und die Welt als auch für sich selbst.

Es ist Aufgabe unserer Kirchgemeinde, die Geschehnisse in der näheren und weiteren Welt aufmerksam zu verfolgen. Hinsehen und wenn nötig Hingehen gehören zu den Pflichten der Gemeinde. Es gilt, Ungerechtigkeiten aufzuspüren und ihnen auch im Kleinen entgegenzutreten. Die Kirchgemeinde ist bestrebt, Lobbyarbeit für die Schwachen zu leisten, Sprachrohr für die Sprachlosen zu sein. In diesem Sinn sind sowohl Randständige in Kloten, eine 3. Weltproblematik als auch Umweltfragen Gegenstand kirchlichen Wirkens. Dabei pflegen wir die Zusammenarbeit mit den Schwesterkirchen.

Dritter Wegweiser

Dienst an Gott ist Dienst an den Menschen und am Leben schlechthin. Der Platz der Kirche ist deshalb in der Welt, beim Leben. Kirche bewegt die Menschen, macht ihnen Mut. Wie Gott in der Welt ist, gehört die Kirche in die Welt.


4.4. Der Mensch in Bezug zu Gott

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“(Matth. 18,20). „Lobe den Herrn, meine Seele, und alles in mir seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103)


a) Die Kirche hilft mit Gott zu preisen. Sie vermittelt ein lebensbejahendes Gottesbild
b) Die Kirche bemüht sich nah zu sein in schwerer Zeit.

Sowohl die Verkündigung als auch die Diakonie soll die Menschen bewegen, ihnen Mut zu machen und zu helfen, einen Bezug zu Gott zu finden. Kirchliche Arbeit ist lebensbejahend und lebensfroh. Gemeinsames Feiern zum Lobe Gottes gehört genauso dazu wie das Begleiten vereinsamter Menschen. Die Kirchgemeinde trachtet danach, dass ihr Reden mit ihrem Handeln übereinstimmt und sie so glaubwürdig bleibt („Euer Ja soll ein Ja, Euer Nein ein Nein sein“).

Vierter Wegweiser

Christlich leben heisst gottbezogen, du - bezogen und solidarisch leben. Die Kirche verkündet die frohe Botschaft der Bibel. Die Kirche fördert das Leben in Gemeinschaft. Die Kirche übernimmt Verantwortung.


5. Umsetzung in die Tätigkeit der Kirchgemeinde

Der Aufbau der Kirchgemeinde soll die Verwirklichung des oben gesagten ermöglichen. Dabei soll vor allem eine Vernetzung und enge Zusammenarbeit von Kirchenpflege und Konvent erreicht werden und gleichzeitig beide Gremien entlasten. Die im Folgenden vorgeschlagenen Strukturen sollen zudem allen mitarbeitenden Gemeindegliedern einen Platz und eine Stimme geben.


5.1. Kirchenpflege

Die Kirchenpflege als Ganzes ist zuständig für die ihr von übergeordneten Grundlagen (Gemeindegesetz, Kirchenordnung, Kirchgemeindeordnung) zugewiesenen Aufgaben, soweit sie diese oder Teile davon nicht an Fachgruppen delegiert hat. Sie ist insbesondere zuständig in allen Angelegenheiten, die die ganze Kirchgemeinde betreffen. Die Kirchenpflege bereitet ihre Geschäfte in enger Abstimmung mit dem Konvent vor. Sie setzt übergeordnete Prioritäten, sie stellt die zweckmässige Vernetzung der Aktivitäten der Kirchgemeinde sicher und beschliesst über die Aufnahme neuer oder die Einstellung bestehender Aktivitäten, sofern sie regelmässig personelle Ressourcen beanspruchen. Durch die Bildung von Fachgruppen schafft sie die Basis für eine effiziente Arbeit innerhalb der hauptsächlichen Zielgruppen der Kirchgemeinde.


5.2. Gemeindekonvent

Der Gemeindekonvent setzt sich zusammen aus den Pfarrern sowie den Mitarbeitern der Gemeindedienste (diakonische Mitarbeiter, Katechet/Jugendarbeiter, Sekretariatsangestellte, Sigrist).



Er führt die ihm von der Kirchenpflege übertragenen und die von der Kirchenordnung vorgesehenen Geschäfte aus und koordiniert die tägliche kirchliche Arbeit (Inhalte, Termine, Mitarbeitereinsatz, Raumbelegungen und Publikationen). Der Gemeindekonvent bestimmt seine Arbeitsweise selbst. Der Konvent kann Impulse bezüglich der Gemeindearbeit an die Fachgruppen weiterleiten. Bei Handlungsbedarf ist Rücksprache mit dem zuständigen Kirchenpfleger zu nehmen.


5.3. Fachgruppen (FG)

Die Fachgruppen (FG) spiegeln die hauptsächlichen Zielgruppen innerhalb der Gemeinde. Sie planen, vernetzen und überwachen die kirchliche Arbeit für die entsprechende Zielgruppe. Sie nehmen Ideen der Gemeindeglieder auf und wahren deren Interessen. Die FG erhalten ein von der Kirchenpflege genehmigtes Mandat, in welchem Aufgaben und Kompetenzen geregelt sind. Die Mitglieder der FG werden durch die Kirchenpflege bestimmt. Den Vorsitz übernimmt ein Mitglied der Kirchenpflege. Die FG tagen nach Bedarf, mindestens einmal pro Quartal. Sie bestimmen ihre Arbeitsweise selbst. Es wird ein Protokoll geführt und Kirchenpflege sowie Konvent zur Kenntnis gebracht. Die FG können aufgrund von Pflegebeschlüssen über den Einsatz der ihnen zugeteilten kirchlichen Mitarbeiter sowie über die freigegebenen finanziellen Mittel verfügen. Die FG können Anträge an die Kirchenpflege in allen Fällen stellen, die ihre Kompetenzen übersteigen. Die FG können Arbeitsteams (AT) bestimmen, welche von der FG betreut werden.

5.3.1. Zusammensetzung der Fachgruppen
Gemäss Mandate Fachgruppen vom 24.4.06.


5.4. Arbeitsteams (AT)

Um die Fachgruppen zu entlasten, können kleine Arbeitsteams für permanente oder zeitlich befristete Aufgaben gebildet werden. Die Zusammensetzung wird von der FG bestimmt und wird der Kirchenpflege zur Kenntnis gebracht. In den AT können auch Mitarbeiter ausserhalb von Konvent und Pflege mitwirken. Die Tätigkeit der AT ergibt sich entweder aus der Aufgabe des entsprechenden Ressorts oder eines Mandats der FG. Die AT tagen bei Bedarf, bestimmen ihre Arbeitsweise selbst und berichten in den FG regelmässig über ihre Tätigkeit. Die AT können Anträge an die FG in allen Fällen stellen, die ihre Kompetenzen übersteigen.





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